Exklusive Führung: Rotary Club Salzgitter-Wolfenbüttel-Vorharz in der Samsonschule

Am 27. Januar 2026, dem internationalen Holocaust-Gedenktag, führte Dr. Stefan Brauckmann vom Moses Mendelssohn Institut exklusiv über 40 Teilnehmende durch die ehemalige Samsonschule in Wolfenbüttel. Neben Mitgliedern des Rotary Club Salzgitter-Wolfenbüttel-Vorharz nahmen auch Gäste aus weiteren Rotary-Clubs sowie ein Student der Technischen Universität Braunschweig teil, der ein Forschungsprojekt an der Bet Tfila – Forschungsstelle für jüdische Architektur in Europa begleitet. Aufgrund des großen Interesses war die Veranstaltung sehr gut besucht und bot Raum für intensiven Austausch.

Zu Beginn stellte Dr. Brauckmann seine Arbeit vor: Als Lehrbeauftragter an der Universität Hamburg und Dozent an der International School of Management (ISM) im Bereich Immobilienwissenschaft verbindet er wissenschaftliche Perspektiven mit praktischer Projektentwicklung. Als geschäftsführender Direktor der Moses Mendelssohn Institut GmbH, die Teil der Moses Mendelssohn Stiftung ist, begleitet er zudem die inhaltliche und bauliche Revitalisierung der Samsonschule.

Die Moses Mendelssohn Stiftung steht in der Tradition der bereits 1929 gegründeten „Moses Mendelssohn Stiftung zur Förderung der Geisteswissenschaften“ und engagiert sich seit inzwischen 20 Jahren für Bildung, Wissenschaft und Forschung zur europäisch-jüdischen Geschichte und Kultur. Die Verbindung nach Wolfenbüttel entstand über persönliche und fachliche Netzwerke: Prof. Dr. Christoph Helm vom Kulturstadtverein machte Prof. Dr. Julius H. Schoeps auf den langjährigen Leerstand, den drohenden baulichen Verfall der Samsonschule sowie auf die von der Stadt Wolfenbüttel initiierte Konzeptausschreibung aufmerksam. 

Im Mittelpunkt der Führung stand die wechselvolle Geschichte der Samsonschule. Gegründet 1807 im Geist der Haskala, der jüdischen Aufklärung, entwickelte sie sich rasch zu einer staatlich anerkannten Bildungsinstitution mit überregionaler Ausstrahlung. Persönlichkeiten wie Leopold Zunz, einer der Begründer der „Wissenschaft des Judentums“, sind untrennbar mit der Schule verbunden.

Gleichzeitig erinnerte Dr. Brauckmann an die Brüche des 20. Jahrhunderts. Zahlreiche ehemalige Schüler, Lehrer sowie deren Familienangehörige wurden Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung und der Shoa. In einem fortlaufenden Datenbankprojekt sind inzwischen mehr als 2.300 Personen erfasst; von rund 25 Prozent liegen auch die Sterbedaten vor. Viele von ihnen wurden in Auschwitz, Theresienstadt, Riga oder im Ghetto Lodz („Ghetto Litzmannstadt“) ermordet. 

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der heutigen Nutzung des Areals. Das Quartier Samsonschule verbindet denkmalgeschützten Altbau und moderne Neubauten zu einem Ensemble aus öffentlich gefördertem Wohnraum, Ausstellungs- und Veranstaltungsflächen. Der historische Altbau beherbergt heute ein Wohnheim für Studierende und Auszubildende sowie einen Ausstellungsbereich, während im Neubau 96 barrierefreie, öffentlich geförderte Wohnungen entstanden sind. Trotz erheblicher Baukostensteigerungen, unter anderem infolge der Corona-Pandemie und des erneuten Angriffs auf die Ukraine, konnte das Projekt umgesetzt werden.

Besonderes Interesse galt während der Führung den restauratorischen Details, etwa den nach historischem Vorbild neu gefertigten Holzfenstern, die heutigen Anforderungen an Schall- und Wärmeschutz entsprechen. Auch die Umnutzung ehemals gemeinschaftlich genutzter Bereiche verdeutlichte anschaulich den Wandel von der Internatsschule hin zu zeitgemäßem Wohnen.

Die Führung endete mit einem offenen Austausch. Die große Resonanz zeigte eindrucksvoll, wie sehr die Samsonschule bis heute als Ort der Erinnerung, der Bildung und des gesellschaftlichen Engagements wirkt.

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